Der Tod gehört für Lena Odenthal zum Alltag. Seit 20 Jahren kennt man die toughe Kommis-sarin, die sich stets im Griff hat. Ihr neuer Fall berührt sie stärker als gewohnt. Die Leiche einer Frau wurde am Rheinufer geborgen. Sie arbeitete für einen Verein, der sich für die Legalisierung der Sterbehilfe einsetzt. Der Lebensstil der Toten lässt vermuten, dass sie sich mit dem Verkauf illegaler Sterbehilfemedikamente lukrative Nebeneinkünfte verschafft hat.
Im Laufe der Ermittlungen gibt es vier Verdächtige. Der Rechtsanwalt des Sterbehilfevereins (Frank Giering), der mit der Toten ein Verhältnis hatte. Seine schwangere Frau (Eva Löbau), die vielleicht doch mehr weiß von der Liaison und den Geschäften der Geliebten ihres Mannes. Beide sehnen sich nach der großen Liebe, aber sie scheinen nicht zueinander zu finden. In den Mordfall verwickelt ist auch eine Mutter (Susanne Lothar), die den verzweifelten Kampf um das Leben ihres unheilbar kranken Kindes aufgegeben hat und nur noch auf beidseitige Erlösung hofft. Und ein Vater (Tom Jahn), der seine Tochter verloren hat, weil offenbar die Ermordete ihr ein Sterbemittel verkauft hat. Eines ist klar: Hier hat ein Mensch getötet, einer, der die Sprache des Herzens kennt, aber auch den Schmerz. „Es dreht sich alles um die verschiedenen Gesichter der Liebe“, betont Regisseurin Aelrun Goette.
Foto: SWR / Krause-Burberg
„Der glückliche Tod“ ist ein spannender Krimi, ein Seelendrama, und der Film kann auch als ein hoch ästhetischer Diskussionsbeitrag zum Thema Sterbehilfe gesehen werden. Die Figuren vertreten klare Positionen. Für Kopper ist Sterbehilfe unannehmbar, er echauffiert sich, wird dann aber zunehmend kleinlaut. Schließlich hat er im Chef der Sterbehilfevereins (Nikolaus Paryla) einen absolut lauteren Menschen gegenüber, der weiß, wie er zu seiner Weltanschauung gekommen ist: „Um sie zu finden, habe ich 15 Jahre auf einer Kinderkrebsstation gearbeitet“, so der sanfte Professor. Und er sinniert weiter: „Sterben ist keine Idylle. Und manchmal ist es ein Verbrechen, nicht zu helfen. Aber das wollen die Menschen nicht wahrhaben – wie sie das Sterben nicht sehen wollen.“ Die Eltern des tödlich erkrankten Kindes sind ähnlich zerstritten. Die Mutter zweifelt daran, ob es richtig ist, das Leiden zu verlängern, während dem Vater allein schon der Gedanke ungeheuerlich ist. Der Film stellt die Grundsatzfrage: Sterbehilfe ja oder nein? „Der Zuschauer muss am Ende selbst entscheiden, wie er über das Thema des Films denkt“, so die Regisseurin. Sterbehilfe ist in Deutschland sehr umstritten. „In Anbetracht unserer Historie ist das nachvollziehbar“, findet Goette. „Der Umgang mit dem Thema ist jedoch bisweilen hysterisch.“
Nicht nur die sensible Behandlung des Themas macht diesen „Tatort“ zu einem besonderen Film. Herausragend ist auch die Inszenierung. Schon die ersten Bilder zeigen, wie die Regisseurin auf Distanz geht zum rituellen Ermittler-Geplänkel am Tatort. Licht und Schatten, Bilder, die die Befindlichkeiten der Figuren spiegeln, hat man lange nicht so konsequent in einem „Tatort“ gesehen. „Der glückliche Tod“ ist ein als Melodram inszenierter Krimi: Innenwelten dominieren, frostige Stimmungen tragen den Film bis zum Showdown im Mannheimer Fußballstadion. Die Nerven liegen blank, die Kommissarin weint. „Der Film zeigt ein Gesicht von Lena Odenthal, das uns bis heute verborgen ist. Es zeigt sie ohne Schutz. Die Haut ist weg, wir kommen ihr sehr nah“, so Goette, die mit ihrem zweiten Spielfilm beweist, dass der Grimme-Preis für „Unter dem Eis“ und der Deutsche Filmpreis für den Dokumentarfilm „Die Kinder sind tot“ keine Zufälle waren. In ihrem neuen Film beweist sie einmal mehr ihr großartiges Gespür im Umgang mit Kindern. In Erinnerung bleibt ein Gespräch über den Tod zwischen der Kommissarin, dem kranken Mädchen & dem Bruder.